Skalar Aufzucht: Tag 10

Nach neun Tagen schwim­men die klei­nen Skalare frei im Becken. Die Eltern habe ich bewusst dabei gelas­sen, damit man die Brutpflege bis zuletzt beob­ach­ten kann. Im Zuchtbecken haben die Kleinen natür­lich keine Feinde zu fürch­ten. Trotzdem ver­hal­ten sich die Eltern wie in der Natur und bug­sie­ren uner­müd­lich die Babys in eine Ecke des Beckens. So haben sie alle bes­ser unter Kontrolle und kön­nen sie bes­ser beschüt­zen. Jedem der klei­nen Ausreißer jagen sie sofort hin­ter­her, schnap­pen bis zu 8 mit dem Maul und brin­gen sie zurück zum Schwarm.

Seit die Jungfische frei schwim­men, haben sie auch ihren Dottersack auf­ge­braucht und müs­sen gefüt­tert wer­den. Für lebende Artemia sind sie noch etwas zu klein, des­halb füt­tere ich die Babys fünf mal am Tag mit Artemia-Staubfutter. Das ist gar nicht leicht zu dosie­ren. Es scheint immer zu viel zu sein. Also steht für den nächs­ten Tag ein teil­wei­ser Wasserwechsel an. Die Eltern füt­tere ich in der gegen­über­lie­gen­den Ecke mit Mückenlarven.

Brutpflege beim Fressen

Dabei mache ich eine erstaun­li­che Beobachtung: Üblicherweise stür­zen sich immer sämt­li­che Fische bei der Fütterung auf jeden Bissen Futter. Nicht so die bei­den im Zuchtbecken. Obwohl das Futter klar erkannt wird, erscheint erst das Weibchen zum Fressen. Als sie alles weg­ge­putzt hat, schwimmt sie zurück zum Schwarm, wo das Männchen die ganze Zeit für Ordnung sorgt. Ich gebe eine wei­tere Ration Mückenlarven in die gegen­über lie­gende Ecke und siehe da, das Männchen kommt und frisst, wäh­rend das Weibchen bei den Jungen bleibt. Das hätte ich so nicht erwar­tet.

Wo über­nach­ten die Babys?

Aber noch eine zweite über­ra­schende Entdeckung mache ich: Schon seit dem das Gelege am Laichkegel plat­ziert wurde, lasse ich die Nacht über ein Nachtlicht zur Beleuchtung an, damit die Skalare ihre Brut im Auge behal­ten kön­nen. Nach vier Tagen, als die Jungen geschlüpft waren, wur­den sie von den Eltern an den HMF (Hamburger Mattenfilter) gehef­tet. Die Jungen waren da noch im Larvenstadium, also mit einem Dottersack aus­ge­rüs­tet. Seit heute schwim­men alle Jungen frei, sind jedoch alle bei­sam­men in einer Ecke mit den Eltern. Ich schalte also wie immer die Beleuchtung aus und das Nachtlicht an. Schlagartig ver­flüch­tigt sich der gesamte Schwarm in alle Richtungen. Die Eltern sind voll­auf beschäf­tigt, im Halbdunkel ihre Brut ein­zu­sam­meln. Kurze Zeit spä­ter werfe ich einen Blick ins Becken. Da sind alle Jungfische ver­schwun­den. Meine erste Vermutung ist, dass die Eltern jetzt aus Panik die ganze Brut gefres­sen haben. Ich schalte das Licht wie­der an und siehe da: alle Jungfische kle­ben am HMF, wie vor­her, als sie noch Larven waren. Die Alten patrouil­lie­ren vor dem Filter. Schnell schalte ich das Licht wie­der aus und habe schon wie­der was gelernt. Ende des 10. Tages.