Was pas­siert, wenn ein Stromausfall meh­rere Stunden das Aquarium lahm legt? Möglicherweise sinkt die Wassertemperatur oder die Pflanzen haben an dem Tag weni­ger Licht. Aber das ist nicht das wirk­li­che Problem son­dern die Pumpe für den Aquarienfilter. Dieser fil­tert eben nicht nur die Schwebstoffe aus dem Wasser son­dern wan­delt Ammoniak in Nitrit und die­ses in Nitrat um.

Ammoniak wird vor allem dann mas­siv im Becken frei­ge­setzt, wenn viele Fische mit gehalt­vol­lem Futter gefüt­tert wer­den. Neben der Beckengröße ent­schei­det die Besatzdichte dar­über, wie ent­schei­dend der Aquarienfilter für das Gelingen ist. Im Aquascaping wird auf den Fischbesatz und  auch den Aquarienfilter häu­fig kom­plett ver­zich­tet. Es han­delt sich um Pflanzenaquarien mit ein paar Algenvertilgern.

Wer viele Fische im Becken hat, hat oft auch viel Ammoniak. Es bil­den sich sehr schnell die Bakterien vom Stamm Nitrosomonas und Nitrosoccocus im Aquarienfilter, die das Ammoniak in das eben­falls gif­tige Nitrit umwan­deln. Es bil­den sich eben­falls die Filterbakterien vom Stamm Nitrospira und Nitrococcus. Diese bil­den sich jedoch deut­lich lang­sa­mer und des­we­gen bil­det sich der Nitritpeak, der mit den zeit­ver­setzt gebil­de­ten Bakterien wie­der abnimmt. Das Nitrit wird in das weni­ger gefähr­li­che Nitrat umge­wan­delt, wel­ches von den Pflanzen auf­ge­nom­men oder mit regel­mä­ßi­gen Wasserwechseln ent­nom­men wird. Man betreibt das Aquarium des­we­gen beim Aufsetzen erst ein­mal ohne Tiere, damit diese nicht am Nitritpeak verster­ben.

Was pas­siert, wenn die Filterpumpe über meh­rere Stunden kei­nen Strom erhält? Die Filterbakterien ster­ben durch den Sauerstoffmangel ab und kön­nen ihre Arbeit nicht mehr ver­rich­ten. Sobald die Pumpe wie­der läuft, bil­den sich wie­der sehr schnell die Bakterien, die das Ammoniak in Nitrit wan­deln und alle Aquarientiere wer­den am fol­gen­den Nitritpeak ster­ben.

Notstrom für die Aquarienpumpe

Aquarienpumpen zie­hen meis­tens nur wenige Watt pro Stunde. Sie sind jedoch das Kernstück jedes Aquariums mit Fischbesatz. Wer an sei­nen Aquarientieren hängt oder diese zudem sehr teuer waren, der sollte für Notstrom sor­gen. Im Sektor für Computer, Server und and­res tech­ni­sche Gerät gibt es fer­tige Notstromversorgungen mit der Bezeichnung APC der Firma Schneider Electric.

Die Geräte haben lei­der ihren Preis und brin­gen für die Aquaristik viele unnö­tige Technik und Software mit. Die Bleiakkus müs­sen lei­der alle paar Jahre gewech­selt wer­den, da sie altern. Es scheint der­zeit noch keine Varianten für die Aquaristik zu geben. Aber auch diese lei­der teu­ren Geräte hät­ten bereits viele Aquarien ret­ten kön­nen. Man soll natür­lich nur die Aquarienpumpe und nicht die Beleuchtung und Aquarienheizung anklem­men, sonst sind die Akkus schnell auf­ge­braucht.

Möglicherweise kann der Bastler auch ein­fach eine Autobatterie mit einem Ladegerät, wel­ches die Spannung hält, an die Steckdose set­zen. Mit der Autobatterie muss man schauen, dass die Spannung für die Aquariumpumpe passt aber auch hier gibt es diverse Möglichkeiten. Solche pro­vi­so­ri­schen Notstromakkus  eig­nen sich dann, wenn sie beim Stromausfall den Strom nur an die Aquarienpumpe und nicht zurück an das Stromnetz geben. Weiterhin muss extrem dar­auf geach­tet wer­den, dass alles sehr sicher ist und nicht zur Brandgefahr wird oder man bei Nässe am Boden Stromschläge abkriegt. Die Notstromversorgung sollte des­we­gen nicht am Boden beim Aquarium ste­hen.

Wer der Meinung ist, dass er beim Stromausfall schnell genug vor Ort ist, kann auch alles vor­be­rei­ten, um im Ernstfall die Pumpe vom Netz zu neh­men und an den Akku zu klem­men. Externe Handyakkus mit genü­gen­der Leistung wären bei klei­nen Filterpumpen schon ein Segen, wenn man die Pumpe auch an die viel gerin­gere Spannung klem­men kann. Man müsste dann zwei Pumpen für beide Spannungen haben oder für den Akku das Netzteil zum Umwandeln der Spannung abneh­men kön­nen, wenn die Akkuleistung exakt passt.

Braucht man den Notstromakku?

Selbst wenn man an einem Ort noch nicht lange wohnt, kön­nen die Nachbarn einem gewiss sagen, wie häu­fig es Stromausfälle gibt und ob diese auch mal meh­rere Stunden anhal­ten kön­nen. Wenn län­gere Stromausfälle prak­tisch aus­ge­schlos­sen sind, kann man auf den Notstromakku ver­zich­ten. Wenn damit jedoch mehr­fach im Jahr zu rech­nen ist, sollte man sehr gründ­lich dar­über nach­den­ken. Man über­nimmt immer­hin die Verantwortung für das Leben im eige­nen Aquarium und muss die­sem Leben einen zumut­ba­ren Lebensraum bie­ten, in dem es nicht bei nächs­ter Gelegenheit ein­geht. Bis der töd­li­che Nitritpeak ein­setzt, wür­den meh­rere Tage ver­ge­hen und die Fische und ande­ren Tiere wür­den qual­voll ver­en­den. Das darf nicht pas­sie­ren!

P.s.:

Möglicherweise könnte man nach einem län­ge­ren Stromausfall alles ret­ten, wenn bei einem befreun­de­ten Aquarianer das halbe Filtermaterial aus­ge­tauscht wird, um diese Hälfte im eige­nen Filter anzu­set­zen. Dabei muss das Filtermaterial jedoch direkt vor Ort in den eige­nen Filter gesetzt wer­den, der auf der Heimfahrt lau­fend mit Aquarienwasser (nicht Leitungswasser) durch­ge­spült wer­den muss, damit die Bakterien genug Sauerstoff haben.

Ein Gastbeitrag von Robert Brungert, wirbellosen-aquarium.de