Da hat man nun jede Menge Planung, noch mehr Zeit und auch Geld inves­tiert, damit das hei­mi­sche Aquarium klasse aus­sieht. Nun möchte man das auch in Bildern fest­hal­ten und/oder den Freunden auf Facebook zei­gen. Also kurz das Smartphone geschnappt und ein paar Mal durch die Scheibe geknipst.

Tatsächlich erhält man so das eine oder andere ganz nette Foto — abhän­gig von der Fischart. Ein Diskus lässt sich gedul­di­ger ablich­ten, als ein Schwarm Guppys. Eine Regel, die für das Fotografieren von Menschen gilt, kann auch auf die Fischfotografie ange­wandt wer­den: Die Bildschärfe soll auf den Augen lie­gen. Das setzt einen schnel­len Autofokus vor­aus.

Das Dilemma beim Fotografieren ins Aquarium, ist: In der Regel reicht die Beckenbeleuchtung nicht aus, um ordent­li­che Bilder zu erhal­ten.

In der Fotografie sind drei Werte ele­men­tar für gelun­gene Fotos:

  1. Die Blendenöffnung. Vereinfacht aus­ge­drückt, der Durchmesser der dem Licht zur Verfügung steht. Je grö­ßer die Öffnung, desto mehr Licht kann durch.
  2. Die Zeit. Also, wie lange bekommt das Licht Zeit um durch die Blende auf den Sensor zu gelan­gen. Je län­ger, desto mehr Licht — ist ja klar.
  3. Die Empfindlichkeit des Sensors. Der soge­nannte ISO-Wert gibt an, wie emp­find­lich der Sensor reagiert. Bei einem Smartphone hält sich die Bandbreite in Grenzen.

Bei den stan­dard­mä­ßi­gen Apps wird das oben genannte meist auto­ma­tisch ange­passt. Und da ste­hen wir vor der ers­ten Hürde. Die Automatik misst das Licht und stellt die Werte ein. Da sich Fische aber meist in Bewegung befin­den, benö­ti­gen wir einen schnel­len Verschluss (min­des­tens 180 Sekunde, je kür­zer, desto bes­ser).

Idealerweise erset­zen wir die Standard-Kamera-App durch eine, bei der man einige Werte vor­ge­ben kann — zum Beispiel die Verschlusszeit.

Ob Smartphone oder Spiegelreflexkamera, ein Problem ist iden­tisch: Die Glasscheiben des Aquariums. Logischerweise soll­ten sie abso­lut sau­ber und algen­frei sein. Der Knackpunkt ist jedoch die Spiegelung. Hier die Empfehlung, so dicht wie mög­lich mit der Kamera an die Scheibe. Jeder kennt die Bilder, wo aus zwei Metern Entfernung das Aquarium geknipst wird und man die kom­plette Wohnzimmereinrichtung inklu­sive einer Daily Soap im Fernseher in der Spiegelung sieht. Am bes­ten ist es, wenn das Zimmer dunk­ler ist als die Beleuchtung im Aquarium, also nicht gerade zur Mittagszeit foto­gra­fie­ren, wenn das Sonnenlicht alle Möbel in Szene setzt und das reflek­tierte Fenster die hellste Stelle im Bild ist.

Es werde Licht

Ein Schritt in Richtung bes­sere Ausleuchtung, ist ein Blitzlicht. Kein Problem, viele Kameras und alle Smartphones haben so ein Licht ein­ge­baut — denkt man sich. Aber egal wel­che Kamera man ein­setzt, wenn der Blitz direkt auf der Kamera sitzt oder ein­ge­baut ist, wie beim Smartphone, ist es nahezu unmög­lich, ein Foto zu bekom­men, auf dem sich der Blitz nicht in der Scheibe spie­gelt. Wenn wir nur die­sen fest instal­lier­ten Blitz zur Verfügung haben, hilft nur aus­pro­bie­ren. Welcher Winkel bie­tet die Wenigsten Reflexe.

Eine wesent­lich ele­gan­tere Art den Blitz ein­zu­set­zen ist, den Blitz getrennt von der Kamera zu plat­zie­ren – ent­fes­sel­tes Blitzen – genannt. Hierbei wird ein exter­ner Blitz unab­hän­gig von der Kamera posi­tio­niert. Die Verbindung ist ent­we­der über Kabel mög­lich, oder — unschlag­bar fle­xi­bel — über Funk. Meines Wissens endet hier der Einsatzbereich der Smartphones. Sollte dem nicht so sein, würde ich mich über eine Nachricht freuen.

Aquarien fotografieren, Blitzklammer mit Systemblitz im Einsatz

Ein Systemblitz mit Hilfe einer Blitzklammer am Aquarium befes­tigt.

Im Lauf der Jahre habe ich mir die Technik ange­wöhnt, direkt von oben ins Becken zu blit­zen. Der Vorteil ist, dass man genü­gend Licht erhält, dass die Spiegelungen ent­fal­len und man erzeugt natür­li­che Lichtverhältnisse, denn in der Natur kommt das Licht ja auch von oben.

Ich nutze eine Funkverbindung zwi­schen Kamera und Blitz. Es geht jedoch auch, wie gesagt, mit einem Kabel.

Steuerung durch Licht

Anstelle einer Funkverbindung oder eines Kabels, kön­nen viele Kameras (und Blitze) mit­tels eines soge­nann­ten „Slave“ zusam­men­ar­bei­ten. In die­sem Fall wird der ein­ge­baute Blitz der Kamera benutzt, um über eine Fotozelle den exter­nen Blitz aus­zu­lö­sen. Funktioniert ähn­lich wie eine Funkverbindung, eben nur mit Licht. Hier ist es wich­tig, dass der Kamerablitz tat­säch­lich nur zum Auslösen des Externen benutzt wird und nicht als zusätz­li­che Lichtquelle (das lässt sich an der Kamera ein­stel­len).

Aquarienfotografie, Blitzklammer

Eine sta­bile Klammer, um einen Blitz zu posi­tio­nie­ren.

Um den Blitz kor­rekt und sicher über dem Aquarium zu posi­tio­nie­ren, bie­tet sich eine Blitz-Klammer an. Für wenig Geld bekommt man so eine geeig­nete Lösung.

Noch fle­xi­bler ist die Anschaffung eines soge­nann­ten Galgenstatives. Das steht abso­lut sta­bil und kann in jede belie­bige Höhe oder Position gebracht wer­den. Meist wird zum Galgenstativ noch ein Blitzneiger benö­tigt, um den Systemblitz zu befes­ti­gen.

Aquarienfotografie, Galgenstativ mit Systemblitz

Die ideale Lösung: Ein Galgenstativ posi­tio­niert den Blitz opti­mal.

Anfangs hatte ich mit Sorgen gemacht, dass die Fische durch den Blitz ver­stört wer­den wür­den. Tatsächlich scheint es jedoch so zu sein, dass die Fische das Blitzlicht gar nicht wahr­neh­men. Gut für uns.

Das Fotobecken

Aquarien foto­gra­fie­ren ist nicht beson­ders schwie­rig, wenn man ein paar Regeln beach­tet. Trotz all der Maßnahmen und Geduld ist es nicht immer ein­fach, ein­zelne Fische so vor die Linse zu bekom­men, wie man das gern hätte. Da kann ein Fotobecken gute Dienste leis­ten. Im Prinzip han­delt es sich hier­bei ein­fach um ein Aquarium im Miniaturformat. Es dient dazu, den Fisch der Wahl aus dem gro­ßen Aquarium in das kleine Becken zu set­zen. Selbstverständlich wird das Fotobecken mit Wasser aus dem Aquarium gefüllt. Durch die begrenz­ten Maße des Fotobeckens, las­sen sich viel ein­fa­cher und schnel­ler gute Ergebnisse erzie­len.

Egal wie man es anstellt oder wel­che Kamera man benutzt, was man immer braucht, wenn es um Aquarienfotografie geht: Geduld und Zeit.